Entzug der Arbeitserlaubnis: Baufirma streikt für afghanischen Mitarbeiter

2016-10-01-strasser-224x300Vor sechs Jahren kam Tavus Qurban als Flüchtling aus Afghanistan nach Deutschland, seit bereits viereinhalb Jahren ist er ohne Unterbrechung bei der oberbayerischen Firma Strasser als Bauarbeiter tätig. „Engagiert, stets arbeitswillig und mit großen Fleiß hat er seitdem Deutsch gelernt und sich gut eingearbeitet. Inzwischen ist Tavus Qurban voll im Unternehmen integriert. Er bezahlt seine eigene Mietswohnung, führt Steuern und Krankenversicherung ab, so wie jeder andere berufstätige deutsche Mitbürger“, schreibt die Firma. Doch nun entzieht ihm das Landratsamt Altötting zum 1. Oktober die Arbeitserlaubnis. Schon ab der kommenden Woche darf er nicht mehr auf der Baustelle erscheinen.

Begründung der Behörde: Tavus Qurban habe nicht ausreichend mitgewirkt, seine Papiere zu beschaffen. Qurban war 2010 ohne Geburtsurkunde nach Deutschland gekommen. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ beschreibt Tavus Qurban die Situation wie folgt: „Ich habe das versucht, aber die afghanische Botschaft stellt mir keine Geburtsurkunde aus. Die bekommt man nur noch in Afghanistan selbst. Wer aber soll das dort für mich machen? Meine ganze Familie lebt jetzt in Australien.“ Auch sein Arbeitgeber bestätigt, dass mehrere Termine beim afghanischen Konsulat keinen Erfolg gebracht hätten. Ihm werde nur ein afghanischer Pass angeboten, was aus Sicht der Firma wohl einer Abschiebung nach Afghanistan gleichkäme.

Tavus versteht die Welt nicht mehr. Er möchte in Deutschland bleiben, hat hier Arbeit und eine neue Zukunft gefunden. Selbst wenn er keine weitere Aufenthaltsgenehmigung erhält, nach Afghanistan will er nie mehr zurück. Seine ganze Familie ist inzwischen von dort geflohen. Und auch sein Arbeitgeber will den guten Mitarbeiter nicht verlieren. „Dass Tavus das Unternehmen verlassen soll, werden wir nicht akzeptieren“, sagt Firmenchef Stefan Birnbacher der „Welt“. „Wir in der Firma brauchen Leute wie ihn. Ich kann viele Stellen nicht besetzen, weil wir keine Leute finden, die auf dem Bau arbeiten wollen.“

Aus diesem Grund hat sich die Firma über eine Pressemitteilung sowie über einen Facebook-Post an die Öffentlichkeit gewandt und gestern aus Protest gegen den Entzug der Arbeitserlaubnis für Tavus Qurban auf allen 30 Baustellen von 10 bis 12 Uhr die Arbeit niedergelegt. „Wir stehen hinter Tavus! Für uns ist nicht nachvollziehbar, dass voll integrierte Flüchtlinge, die inzwischen Jahre bei uns tätig sind und niemanden mehr auf der Tasche liegen, abgeschoben werden“, schreibt die Firma auf Facebook. „Wir haben unseren Beitrag als mittelständisches Unternehmen zum Thema Integration geleistet – nun erwarten wir dasselbe von den Behörden und fordern daher: endlich einen Pass und eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis für Tavus!“
welt.de, ovb-online.de, sueddeutsche.de (Interview mit Tavus Qurban)